Stationen: Die frühen Jahre

1951 bis 1972

Manfred Hausin mit Bruder Ekkehard

Manfred Hausin mit Bruder Ekkehard

Manfred Hausin, urkundlich erstmals erwähnt 1951, ist das zweitälteste von vier Kindern (Ekkehard, Ulrike und Carola) der Eheleute Ingeborg Hausin, geb. Braukmann, und Edmund Hausin.

Aufgewachsen auf dem Lande in Emmerke/Hildesheim auf dem Anwesen der Großeltern mütterlicherseits, Klara und Josef Braukmann, nahe dem örtlichen Bahnhof, wo der Großvater Bahnhofsvorsteher war. Volksschule im Ort. Besuch des bischöflichen Knabengymnasiums Josephinum in Hildesheim bis zur 7. Klasse.

1964 Übersiedlung der Familie nach Celle, wohin der Juristenvater als späterer Senatspräsident ans Oberlandesgericht versetzt wird. Besuch des Hölty-Gymnasiums.

Manfred Hausins literarischer Werdegang beginnt so ganz anders als der seiner Schriftstellerkollegen. Dem damals 13-jährigen überlässt sein vier Jahre älterer Bruder Ekkehard eigene Gedichte zur Veröffentlichung. Die „Cellesche Zeitung“ druckt dessen Texte unter Manfreds Namen, worauf sich die beiden das bescheidene Honorar brüderlich teilen. Hausin ist auf dieses „Zubrot“ angewiesen, denn er ist Beamtensohn und bekommt wenig Taschengeld – und das nur dann, wenn er gute Zensuren nach Hause bringt. Also keins. Diese „Zusammenarbeit“ hält solange an, bis die literarische Ader des Bruders versiegt. Anstatt nunmehr zu eigener Produktion überzugehen, bedient der pfiffige „Jung-Dichter“ die lokale Presse mit den schöngeistigen Ergüssen seiner Kollegen – wohlweislich der unbekannteren, versteht sich, jedoch unter seinem eigenen Namen. Diese derartig „schöpferische“ Phase währt etwa zwei Jahre – bis ihm aufgrund steigender örtlicher Bekanntheit die Angelegenheit zu brenzlig wird. Das ist der Zeitpunkt, zu dem die ersten eigenen Texte entstehen. In Kenntnis dieser Anfänge wird Bruder Ekkehard Jahre später Rechtsanwalt.

1967 Erster öffentlicher Auftritt. Manfred Hausin betritt – eben 16-jährig – im Celler „Poker Club Joker“ jene „Brettl, die die Welt bedeuten“, zumindest die der Kleinkunstwelt. Der mutige Club schließt wenig später seine Pforten und so sei auch hier und heute der Mantel barmherzigen Schweigens über eine nähere Beschreibung der „Spielstätte“ und des ersten Auftritts des Schriftstellers und literarischen Kabarettisten gebreitet.

1968 Englandaufenthalt. Als Gast einer Quäkerfamilie kommt Manfred Hausin während eines Sommerlagers erstmals mit der Folkbewegung in Berührung. Nach der Rückkehr fängt er an, bewusst zu schreiben, d.h.: „Ich wurde mir darüber klar, dass man mit Texten Wirkungen erzielen kann, dass man angreifen kann, aufdecken, ermuntern, bestätigen, dokumentieren, provozieren und reagieren kann.“

1969 Aufnahme in den Verband deutscher Schriftsteller (VS) als seinerzeit jüngstes Mitglied. Bis zu dem Zeitpunkt zwar etliche Veröffentlichungen in der Tagespresse und in Zeitschriften, jedoch noch keine Buchpublikation. Redakteur der Schülerzeitung „reflex“, die zur besten des Landes Niedersachsen gewählt wird.

Manfred Hausin als Schüler

Manfred Hausin als Schüler

1970 Kriegsdienstverweigerung. Erste Buchveröffentlichung „Konsequenzgedichte“, Satire Verlag, Hannover. Bis zum Abitur wird Hausin noch drei weitere Bücher veröffentlichen und zweimal sitzengeblieben sein.

1971 Wahl in die europäische Autorenvereinigung „Die Kogge“ als seinerzeit jüngstes Mitglied. Zweite Buchveröffentlichung „Das Gleiche mit Ketchup“, Gedichte, Maistrassenpresse München. Dritte Buchveröffentlichung „Sonderangebot“, Gedichte, Verlag Eric van der Wal, Bergen/NL. Erste Veröffentlichung in einer überregionalen Anthologie „Wir Kinder von Marx und Coca-Cola“, Peter Hammer Verlag, Wuppertal.

1972 Vierte Buchveröffentlichung „Bahnhofsgedichte“, Verlag Junge Presse D, Karlsruhe. Gründung des Verlages DAVIDS DRUCKE. Als erstes Buch des Verlages erscheint eine überarbeitete Ausgabe der gerade erst publizierten und schon vergriffenen Bahnhofsgedichte unter dem nunmehr endgültigen Titel „Vorsicht an der Bahnsteigkante!“. Ein früher kleiner Bestseller, der es bis auf den heutigen Tag – immer wieder überarbeitet und erweitert – in verschiedenen Verlagen auf insgesamt acht Auflagen gebracht hat. Abitur am Hölty-Gymnasium Celle. Im Herbst des Jahres folgt Hausin seiner Schülerliebe nach Göttingen. „Erst war ich eine Klasse über ihr, dann war ich in ihrer Klasse und schließlich eine Klasse unter ihr“.

 

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